Schmutz_Schmutz

Das Thema der vierten Ausgabe lautet „Schmutz_Schmutz“: ein Unterstrich zwischen zweimal
Schmutz. Die Formatierung des gestellten Themas befragen die Beiträge nicht noch einmal extra,
obwohl sie sie völlig erfasst haben. Was hat sich die Redaktion dabei gedacht?

„Schmutz_Schmutz“ ist einerseits, zugegeben, eine Variation über „Kultur_Kultur“, das Thema
des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (dgv) in Tübingen 2011. In diesem
Umstand spiegelt sich die Verbindung zwischen derlei im Fach wichtig genommenen
Versammlungen, bei denen Studierende seit langem willkommen sind, und verselbstständigten,
freien Arbeitsansätzen unter Studierenden. Andererseits steht der Unterstrich für das häufige
Vorkommen von Befindlichkeiten ‚dazwischen‘. Ein im Gender/Queer-Diskurs angesiedeltes
Beispiel bildet jener Unterstrich, den auch wir als Redaktion gern verwenden (z.B. in Autor_in),
um bei der Erwähnung von Personen zu kennzeichnen, dass sowohl Männer als auch Frauen
gemeint sind sowie alle, die sich auf festgelegte geschlechtliche Kategorien bezogen ‚dazwischen‘
bzw. weitergehend selbst definieren. Zum Unterstrich gesellt sich in „Schmutz_Schmutz“ die
Wiederholung eines Begriffs: Indem sich etwas durch den Unterstrich zu sich ins Verhältnis
bringen lässt, wird eine zu Recht häufig eingeforderte Multiperspektivität ins Schriftbild gesetzt,
das heißt dass ein Betreffendes sich so oder so genommen nicht immer gleich darstellt.
‚Schmutz‘ kann als treffendes Muster herhalten, insofern als er sich erkennbar im konkreten wie
im übertragenen Sinn erst im betrachtenden Auge und Werturteil definiert.
Die folgenden Beiträge handeln von der Verschränkung der greifbaren und der abstrakten
Kategorie ‚Schmutz‘, wenn sie zum Beispiel auf Menschen und das Stadtleben angewandt wird. PDF